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  Durch Italiens Nordosten 22.10.2017 04:27 (UTC)
   
 

Runde durch den Nordosten Italiens

Die Provinz Friaul, besonders ihr nördlicher Teil, die Karnischen Alpen, ist bei Touristen in der Regel allenfalls als Durchreisegegend auf dem Weg in die Sonne (= an die Adria) bekannt. Traurige Berühmtheit erlangte die Region im Jahr 1976, als ein schweres Erdbeben viele Ortschaften dem Erdboden gleichmachte. Radsportfans ist sicher der Monte Zoncolan ein Begriff, dieser Horroranstieg mit bis zu 24 % Steigung, den regelmäßig die Profis im Rahmen des Giro d'Italia hochgeschickt werden.
Eine Autobahn, mit unzähligen Tunnels und Brücken garniert (hier weiß man, warum man als Autofahrer Maut bezahlt!), durchzieht als Betonschlange das Gebirgstal und verkürzt so die Fahrzeit von der österreichischen Grenze hinunter in die Venezianische Tiefebene mitsamt ihrer adriatischen Touristenzentren deutlich. Sie verwehrt aber auch den Blick auf eine eigentlich wunderbare Gebirgslandschaft, die nicht nur aus unscheinbaren, bewaldeten Kuppen und nichtssagenden Tälern, in denen sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, besteht.
Mir ist bei meiner alljährlichen Fahrt nach Lignano schon immer eine abenteuerlich angelegte Eisenbahntrasse aufgefallen, die man von der Autobahn aus erkennen konnte. Ebenso war deutlich zu sehen, dass diese Trasse wohl nicht mehr benutzt wurde. Durch einen glücklichen Zufall fand ich im Internet die Lösung: Die Eisenbahnstrecke Udine-Tarvisio wurde in den Jahren vor 2000 fast komplett verlegt und größtenteils in Tunneln versteckt. Die alte Trasse wurde mit EU-Mitteln zu einem 50 km langen Radweg umgebaut; die Bauarbeiten dauern noch an, und in Richtung Süden ist im Ort Resiutta momentan komplett Schluss.
Es reizte mich sehr, diesen neuen Radweg mal selber zu befahren. Dazu bot sich an, den Rückweg von Tarvisio aus über den ohne große Anstrengung zu erreichendemn Pass Sella Nevea zu planen. Und da sozusagen "auf dem Weg" noch der Predilpass (Übergang nach Slowenien) lag, kam eine Runde mit rund 85 Kilometern und 1500 Höhenmetern zusammen, was schon die Grenze dessen bedeutete, was meine damalige Form zuließ.

1) Pontebbana-Radweg (Chiusaforte - Tarvisio; 43 km, 450 Hm)

Eins gleich vorweg: Die Intuition, diesen Radweg zu fahren, kam mir durch die Homepage von Herrn Dr. Karl Schlemmer, der seine Erfahrungen mit Radeln auf alten Eisenbahntrassen auf einer eindrucksvollen Website mit unzähligen Fotos und detaillierten Informationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Von meiner Seite aus ganz herzlichen Dank für diese Anregung!
Ich möchte natürlich meine persönlichen Eindrücke zum Besten geben. Eingestiegen bin ich nicht am Beginn des Radwegs in Resiutta, sondern 7 Kilometer weiter östlich in Chiusaforte, wo die Straße hoch zur Sella Nevea (mein Rückweg) ihren Ausgang nimmt. Ein Parkplatz war schnell gefunden, und der Weg zum alten Bahnhof gut beschildert.
Viele Radler gönnten sich auf dem Bahnhofsgelände eine Rast, und auch sonst war die Trasse an diesem Tag - auch wegen des schönen Wetters - gut frequentiert.
Der eindrucksvollste Teil des Radwegs verläuft zwischen Chiusaforte und Pontebba. Immer leicht bergauf, mit unzähligen Tunnels garniert (daher: Unbedingt Beleuchtung mitnehmen! Mehrere Tunnels sind zwar beleuchtet, aber das ist kein Ersatz fürs Licht am Rad!), immer wieder das Tal und die Autobahn kreuzend. Hier nur einige Impressionen (mehr Bilder gibts auf der oben erwähnten Homepage).




Das alte Bahnhofsgebäude in Chiusaforte


Rechts gehts lang!


Super ausgebauter Radweg


Eiserne Brücke über den Fluss Fella


Links der Radweg, rechts die Autobahn - welcher Kontrast!


Immer wieder kommt man an verfallenen Relikten der alten Bahnstrecke vorbei


Das Dorf Dogna, "aufgefressen" von der Autobahn



Querung der Autobahn


Und wieder ein verfallenes Gebäude

An diesem Tunnel, kurz vor Pontebba, war dann Schluss:


Tunnel gesperrt, rechts gehts weiter...


...eine Treppe (!) hinab.

Nun musste ich einige Kilometer auf der Staatsstraße fahren und verpasste dann den "Wiedereinstieg" - mit der Konsequenz, mich in Pontebba mehrfach zu verfahren und durchfragen zu müssen. Aber das war kein großes Problem.
Weiter gings nun, teils nicht mehr auf der Bahntrasse und mit abschnittweise abenteuerlicher Streckenführung (z.B. durch einen Bach!), in Richtung Tarvisio. Dank einer vorbildlichen Beschilderung wusste ich mich aber immer auf dem richtigen Weg. Auch kurz hinter dem neu hergerichteten Bahnhof Ugovizza (mit Verpflegungsmöglichkeit) war der Radweg noch im Bau und ich musste eine Südschleife zum Ort Valbruna absolvieren, um nur wenige Kilometer später auf die Bahntrasse zurückzukehren.
Von dort aus war der Rest aber ein Kinderspiel. Ich durchfuhr eine Radfahrer-Zählstelle (auch als Sprungschanze zu missbrauchen), der Rest der Strecke führte - nun wieder komplett auf der Bahnstrecke - immer leicht bergab nach Tarvisio.


Alter Bahnhof in Ugovizza - schön hergerichtet und zum Restaurant umgebaut


Das Ziel: Bahnhof in Tarvisio
 
2) Passo di Predil (1156 m)

In Tarvisio machte ich einen Schwenk nach Süden/Südwesten zur 19,5 km entfernten Sella Nevea. Für sich alleine eine Kaffeefahrt, werden doch lediglich 450 Höhenmeter überwunden. Das entspricht einer Durchschnittssteigung von gerade mal 2,3 %, und nur ganz selten werden die 8 % übertroffen.
So war es nur logisch, dass ich sozusagen "im Vorübergehen" den Passo del Predil, der den Grenzübergang nach Slowenien markiert, mitnahm.
Nach der nicht zu übersehenden Abzweigung kurz hinter dem Ort Cave del Predil führt die Straße über 4 Kehren mäßig steil nach oben. Schöne Blicke hinunter zum Lago del Predil, einem Stausee, versüßen den doch recht schweißtreibenden Anstieg. Die Straße ist in gutem Zustand, lediglich ein kurzer, unbeleuchteter Tunnel muss mit Vorsicht durchfahren werden. Nach etwas mehr als 2 Kilometern erscheint schon das alte, verfallene Grenzfort; alles in allem ist dieser Anstieg nur knapp 3 km lang mit einer Durchschnittssteigung von knapp 8 %.



Halb verfallen: Die Bergarbeitersiedlung Cave del Predil



Der Lago del Predil, ein Stausee zur Stromgewinnung



Erste Kehre



Das verfallene Grenzfort



Passschild und dahinter die verlassene Grenzstation



Grenzstation nach Slowenien - keine Kontrollen mehr




Auf der slowenischen Seite



Grenzstation

3) Sella Nevea (1190 m)

Das Skigebiet Sella Nevea mit dem gleichnamigen Pass bildete also den zweiten Teil dieser Runde ab. Ab dem Ortsausgang von Tarvisio gings zunächst kilometerlang fast eben dahin, nur hinter dem Ort Riofreddo bescherte mir eine Doppelkehre mit maximal 8 % Steigung auf kurzer Distanz merklich Höhengewinn. Nervig waren lediglich Fräsarbeiten, welche die Straße in eine fast rennraduntaugliche Buckelpiste verwandelten. Mittlerweile sollte aber der frische Belag aufgebracht sein.
Nach 9 Kilometern passierte ich die frühere Bergbausiedlung Cave del Predil. Viel ist nicht mehr vom ehemaligen Glanz übrig geblieben. Danach kam, nach einem kurzen steileren Stück, der Abstecher zum Passo del Predil (siehe oben).
Nach der Abfahrt begab ich mich wieder auf die ursprüngliche Straße. Diese führte mehrere Kilometer am Stausee entlang, immer durch Wald, und wies zunächst keinerlei Schwierigkeiten auf. Diese folgten - wenn man überhaupt von solchen sprechen kann - auf den letzten 3 Kilometern vor der Passhöhe, wo kurzfristig schon mal 10 % Steigung erreicht werden. Ganz plötzlich tauchte dann das Ortssschild (ein eigenes Passschild sucht man vergebens) auf.


Pass- und Ortsschild zugleich
Die Ortschaft Sella Nevea ist eines dieser künstlich aus dem Boden gestampften Skigebiete, die im Sommer ohne jedes erwähnenswerte Leben vor sich hinvegetieren. Als ich dort war, fand ich nichtmal ein offenes Café.

Ganz anders als die gemütliche Ostauffahrt präsentiert sich die Westseite des Passes: Steil fällt die T
rasse ab, und über 7 Kehren (davon 3 Kehrtunnels) verliert die teilweise abenteuerlich in den Fels gehauene Straße schnell an Höhe (500 m auf 6 Kilometer). Überhaupt ist die gesamte Abfahrt hinunter nach Chiuisaforte ein Genuss, denn neben dem vorzüglichen Straßenbelag konnte ich die Fahrt durch ein tief eingeschnittenes Gebirgstal genießen. Vorsicht ist aber in den Kehrtunnels geboten: Nur nicht zu schnell hineinfahren, denn aufgrund der plötzlich wechselnden Lichtverhältnisse besteht die Gefahr, dass man den Straßenverlauf nicht mehr richtig erkennt und sich verbremst.


Interessante Straßenkonstruktion im Steilhang


Einer der Kehrtunnels




Blick in das tief eingeschnittene Raccolanatal

Nach 18 Kilometern teils rasender Abfahrt erreichte ich meinen Ausgangsort Chiusaforte.
Fazit dieser Runde: Ein wunderbarer Abstecher in die Karnischen Alpen, der neben vielen bleibenden landschaftlichen Eindrücken durchaus auch seinen sportlichen Wert besaß. Der Pontebba-Radweg ist für jeden Freizeitradler, der diese Gegend besucht, ein Muss!



Höhenprofil

 



 

 
  Letztes Update: 02.10.2017
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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