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  Monte Grappa 18.11.2017 08:06 (UTC)
   
 

Monte Grappa (1745 m)

Der Monte Grappa liegt wie ein vorgeschobener Kalkklotz am Nordrand der venezianischen Ebene. Traurige Berühmtheit erlangte dieser Berg durch die Piaveschlachten im Ersten Weltkrieg zwischen Italienern und Österreichern, denen Tausende von Soldaten zum Opfer fielen. Spuren dieser Kämpfe sind noch heute zu erkennen - am deutlichsten auf dem Gipfel, wo die Faschisten ein riesiges Denkmal sowie ein Ossarium errichteten, in dem über 23000 Soldaten begraben liegen.
Mich interessierte der Monte Grappa aber nicht nur geschichtstechnisch, sondern auch aus sportlicher Sicht. Wegen seiner exponierten Lage kann man ihn getrost mit dem Tour-Klassiker Mont Ventoux vergleichen; auch die Anstiege ähneln sich in Länge und Höhenunterschied sehr. Drei gut ausgebaute Straßen (zwei aus dem Süden, eine vom Norden) führen zum Gipfel des Monte Grappa hinauf, und ich wählte die "kürzeste" (20 km) und damit schwerste (1600 Höhenmeter, 8,3% Durchschnittssteigung). Denn mit den Steigungsprozenten vor allem im oberen Teil des Anstiegs (deutlich über 12 %) können die beiden anderen nicht annähernd mithalten; der Mont Ventoux übrigens auch nicht!
Schon die Anfahrt von der Adria mit dem Auto machte Lust auf mehr. Trotz Dunst grüßte der Berg mit seiner weißen Kuppe bereits von weitem. Leider büßte ich durch Stau und anormal viel Verkehr auf der Landstraße nach Bassano del Grappa viel Zeit ein, sodass ich meinen Startort Semonzo erst in der Mittagsstunde und damit während der größten Hitze erreichte.



Schon von weitem ist der Monte Grappa zu erkennen - trotz Dunst.
 
Einen Parkplatz fand ich in diesem idyllischen Städtchen schnell, und gleich nebenan wies mir ein Schild mit der Aufschrift "Cima Grappa" den Weg. Der Anstieg beginnt direkt am Ortsausgang, und ein Schild kündigt 28 Kehren bis oben an; allein 20 gilt es dabei auf den ersten 10 Kilometern zu bewältigen, die durch dichten Wald an einem Steilhang hinaufführen.


Der gewundene Streckenverlauf im Steilhang ist gut zu erahnen

Da die Steigung immer bei gut 8 Prozent liegt, konnte ich diesen Teil recht flott zurücklegen, obwohl mir die hohen Temperaturen schon zu schaffen machten. Zum Glück ist die Straße von Säulenzypressen gesäumt, die auch bei der hochstehenden Sonne etwas Schatten spendeten.




Immer wieder bot sich mir ein toller Blick hinab in die Ebene und weiter oben auch rüber zur anderen Straße am Gegenhang, die ich später als Abfahrt benutzen sollte. Auch an einem Startplatz für Drachenflieger, die das warme Wetter weidlich nutzten, kam ich vorbei.



Blick hinab auf Semonzo und die Ebene



Kehre um Kehre gings nach oben. Hier Drachenflieger bei Serpentine 20.


Der Gegenhang. Deutlich ist die Straße des Hauptanstiegs zu erkennen.

Nach einem Flachstück mit zwei kurzen Tunnels folgte der mit Abstand schwierigste Teil. 12 Prozent und mehr betrug nun die Steigung, und es gab keine Serpentinen mehr, in denen ich mich kurz erholen konnte. Die Landschaft änderte sich nach und nach: Der anfangs üppige Laubwald wich immer mehr Nadelwald und Almwiesen. Und überall schauten bereits Kalkfelsen hervor.
Am Ende dieses Steilstücks bekam ich dann erstmals den Gipfel des Monte Grappa zu Gesicht. Da willst du also noch rauf...



Blick auf den Gipfel des Monte Grappa

Aber erstmal gings begab (!), bevor in karger Felslandschaft zum Gipfelsturm geblasen wurde. Ich möchte das Wort "Sturm" bitte nur im übertragenen Sinne zu verstehen wissen, denn einige Male brachten mich die ständig wechselnden und teilweise wirklich unangenehmen Steigungsprozente fast zur Verzweiflung. Eine Kehre erinnerte mich in ihrer Steilheit gar an den Monte Zoncolàn - nur dass es dieses Mal dann wieder gemäßigter weiterging als am Monsterberg in den Karnischen Alpen.
Kurz vor dem Gipfel mündet die Straße dann in die eigentliche Hauptauffahrt. Die letzten beiden Kilometer waren dann schon wegen des Gefühls, es gleich geschafft zu haben, kein Problem mehr.
Ich nahm mir dann Zeit, das Ossarium zu besichtigen un dem Rifugio Bassano einen Besuch abzustatten (auf einen Cappuccino; Grappa gabs am Abend im Hotel).



Das Ossarium. 23000 Menschen liegen hier begraben.









Die unwirtliche Gipfelregion des Monte Grappa. Überall sind noch Spuren der Schlachten
während des ersten Weltkriegs zu erkennen.




Es gibt natürlich kein Passschild, aber ein Erinnerungsfoto muss sein.

Dann runter nach Romano d'Ezzelino auf einer 26 km langen Abfahrt. Zwar mit Flachstücken und einer kurzen Gegensteigung garniert, aber wegen der guten Straßenverhältnisse (kaum Frostaufbrüche) insgesamt ein Genuss.



Blick hinab ins Tal des Brentaflusses

Kurz vor dem Ende konnte ich einen Blick auf den Steilhang erhaschen, den ich zu Beginn hochgestrampelt bin.



Von Romano d'Ezzelino bis zu meinem Startort Semonzo waren es dann nur noch ein paar Pedalumdrehungen.
Resümierend kann ich sagen, dass der Monte Grappa seinen Zweck als "ultimativen Formtest" mehr als erfüllt hat. Ein wirklich schwerer Anstieg, der wohl zu den exklusiveren im Alpenraum zu zählen ist. Dazu landschaftlich 1A (wenn nur der Dunst nicht den Blick in die Tiefe getrübt hätte) und eine Abfahrt, auf der man es so richtig laufen lassen kann. Sehr positiv: Trotz bestens ausgebauter Straßen gab es kaum motorisierten Verkehr, aber leider auch keine radelnden Mitstreiter.
Wer also knackige Anstiege und lange Abfahrten liebt, sollte den Monte Grappa unbedingt in der von mir beschriebenen Richtung unter die (Fahr-)Räder nehmen. Andersrum hat man es mit einem deutlich längeren, aber nur an wenigen Stellen steilen Anstieg zu tun. Die Abfahrt auf der Strecke nach Semonzo ist dann aber wegen ihrer Steilheit und der vielen Serpentinen im unteren Teil kein großer Leckerbissen.

Höhenprofil

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  Letztes Update: 02.10.2017
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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