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  Monte Grappa 20.01.2018 06:58 (UTC)
   
 

Monte Grappa (1750 m)

Nach 5 Jahren Pause stand also mal wieder der Monte Grappa auf meinem Programm. Über den Berg selbst habe ich an anderer Stelle bereits genug geschrieben; ebenso, dass die zahlreichen Auffahrten (insgesamt 12 an der Zahl) hinauf in 1750 Meter Höhe an Länge, Höhenmetern und Gesamtschwierigkeit mit den meisten bekannten Alpenpässen nicht nur locker mithalten können, sondern diese weit übertreffen. In diesem Jahr führte die vorletzte Etappe des Giro d'Italia vom Norden hinauf, und genau diese Route hatte ich mir auch herausgesucht. Damit allerdings nicht genug: Nach dem Grappagipfel (mit dem Ossarium, welches an über 20000 gefallene Soldaten erinnern soll) wollte ich weiter nach Osten fahren, wo ein eindrucksvolles Open-Air-Museum an die grauenhaften Kämpfe im Ersten Weltkrieg erinnert. Auch diese Strecke beinhaltet noch zwei knackige Anstiege über 15 % (hoch zur Cima della Mandria), aber hauptsächlich gehts bergab, und das nicht von schlechten Eltern.
Von vorne: Ich startete in Feltre, bei hervorragendem Radfahrwetter. Erst musste ich auf der vielbefahrenen SS50 einige Kilometer nach Westen kurbeln, aber zum Warmfahren war das genu richtig. Im kleinen Ort St. Lucia zweigt eine Straße nach links ab - Richtung Caupo. Hier beginnt der 28 Kilometer lange Anstieg zum Monte Grappa, auf dem ich nicht weniger als 1700 Höhenmeter meistern sollte.





28 Kilometer und 1700 Höhenmeter bis zum Gipfel!

Die ersten 8 Kiometer sind die schwersten. Es geht über mehrere weit auseinanderliegende Kehren fast nur durch den Wald, Letzteres gut an diesem heißen Sommertag. Doch eine Steigung von durchgehend 8 bis 12 % ließ den Schweiß in Strömen fließen und ich verspürte manchmal die Lust, aufzugeben und wieder runterzufahren. Doch der innere Schweinehund war schnell überwunden, als es erstmals flacher wurde und nach und nach Blicke nach unten möglich wurden. Ein Blick auf den Höhenmesser ließ mich dann staunen: Ich hatte schon über 700 Höhenmeter überwunden.




Erfreulicherweise war die Straße in weitgehend gutem Zustand, was sie wohl auch dem Giro zu verdanken hatte. Auch wurde die Landschaft abwechslungsreicher: Der Wald lichtete sich immer mehr und ermöglichte Blicke ins Brentatal sowie zu den Sieben Gemeinden. Die Steigung war in diesem Bereich äußerst ungleichmäßig: Von kurzen, aber knackigen Rampen (15 % und mehr!) über flachere Passagen bis zu zwei längeren Abfahrten war alles dabei. Am Ende der ersten Abfahrt (bei Forceletto - hier mündet die andere Auffahrt aus Seren del Grappa ein, die im Mittelteil über mehrere Kilometer 20 % steil ist) schoss ich dieses Foto, welches die Hochebene der Sieben Gemeinden mit der Ortschaft Enego am Osthang zeigt.

Faszinierender Blick in Richtung Westen, zu den Sieben Gemeinden

Die letzten 8 Kilometer des Anstiegs führen hauptsächlich durch ein liebliches Almengebiet und in großem Bogen um den Gipfel herum; der Baumbestand weicht immer weiter zurück, und der Fels tritt zunehmend hervor. Die Steigung betrug nun ziemlich konstant 8 %, und obwohl ich schon ziemlich kaputt war, zog mich die Nähe des Ziels fast von selbst nach oben.


Neuer Asphalt, zumindest für die halbe Straße



Der Gipfel zum Greifen nah

Nach einer weiteren Abfahrt traf ich auf die Hauptstraße, die von Romano d'Ezzelino heraufführt. Und kurz vor dem Ziel erwartete mich eine besondere Überraschung: Eine Traktorenparade, und das auf über 1700 Metern Höhe!

Hier gehts runter nach Romano d'Ezzelino


Traktorenparade unterhalb des Gipfels

Die letzten Meter bis zum Gipfel mit dem Ossarium und dem Rifugio Bassano waren dann ein Klacks. Nun stand ich schon zum vierten Mal hier oben - kaum zu glauben!



An diesem Samstag herrschte hier oben Hochbetrieb. Ich gönnte mir bei etwa 20 Grad eine halbstündige Pause, um mich dann auf den Weg nach unten zu machen. "In die Abfahrt stürzen" war kein Thema, da die landschaftlichen Eindrücke viel zu großartig waren, als das man sie einfach an sich vorbeirauschen lässt. Und außerdem warteten auf mich auf der nach Osten führenden Kammstraße noch zwei 15%er, die mir aber komischerweise "leicht" fielen. Überhaupt war es gerade dieser Abschnitt meiner überaus anspruchsvollen Tour, auf den der Begriff "Erlebnis" im Zusammenhang mit Rennradfahren ganz besonders zutrifft.
 


Blick hinunter in die venezianische Tiefebene - wie immer vom Dunst verhüllt


Steil abfallende Felsformationen


Schützenlöcher aus dem Ersten Weltkrieg


Ausgesetzte Straße


Treuer Begleiter


Forts aus dem Ersten Weltkrieg

Nach der Cima della Mandria, einem Gipfel östlich des Monte Grappa, ging es dann aber wirklich nur noch bergab. Bei fast 15 % im Schnitt begannen meine Bremsen zu glühen. Nun wurde mir auch klar, was ich mir im Jahr 2011 zugemutet hatte, als ich diese Strecke hochfahren wolllte und kapitulieren musste. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich von den großartigen Ausblicken und Eindrücken fast erschlagen wurde. Radsport ist halt doch etwas Wunderbares...


Kammstraße: Kehren vor dem Monte Palon. Links im Hintergrund der Monte Cesen

Nach dem Monte Palon taucht die Kammstraße wieder mehr und mehr in den Wald ein. Ich wählte die Abfahrt hinunter nach Pieve, mit 19 Serpentinen und 15 % Dauergefälle. Die armen Bremsen! Kaum zu glauben, wie schnell man 1000 Höhenmeter runterrauschen kann! Áb Pieve wars dann nur noch flach: Erst nach Pederobba, dann heim nach Feltre auf der Staatsstraße. Das Piavetal ist toll, aber für derartige Eindrücke war ich schon fast zu platt. Zum Glück hielt sich der ansonsten abnormale Verkehr an diesem Samstag Nachmittag in Grenzen.
Summa summarum: 90 Kilometer mit 2000 Höhenmetern habe ich an diesem Tag runtergeschrubbt. Der Monte Grappa ist und bleibt für mich das Nonplusultra, was sportliche Herausforderung verbunden mit landschaftlicher Schönheit betrifft. Schon allein aus diesem Grund verdient diese Runde das Prädikat "Königsetappe" für 2017.


Höhenprofil Monte Grappa

Höhenprofil der Tour

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  Letztes Update: 02.10.2017
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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