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  Berlin 18.11.2017 08:09 (UTC)
   
 

Berlin

Berlin ist eine Reise wert. Das dachte ich mir im Jahr 1982, als mich mein Couisin samt Frau (beide sind mittlerweile leider verstorben) - beides gebürtige Gefreeser - darauf ansprachen, sie doch einmal in ihrer Wahlheimat zu besuchen. Zwischenzeitlich waren aus dieser einen Berlinfahrt gut 30 Besuche bei meinen Freunden geworden, eine schöne Gewohnheit also. Und Berlin - das ist nicht mehr das, was es damals war. Die Stadt hat in den vergangenen knapp 30 Jahren eine Wandlung durchgemacht, die ihresgleichen sucht.

In den 80ern gabs ja noch die DDR, was schon der Anreise nach Berlin(West) den Touch eines kleinen Abenteuers verlieh, zumal wenn man diese - wie ich meist - per Anhalter bestritt. Schikanöse Grenzkontrollen und eine Fahrt über 250 Kilometer "Autobahn", einer Holperpiste vom Grenzübergang Hirschberg bis zum "Abzweig Leipzig" (wie das Dreieck Potsdam damals hieß), waren alles andere als ein Genuss. Aber für mich jungen Hüpfer eben doch aufregend.
Westberlin selbst hatte unter dem Viermächtestatus eine vollkommen eigenständige Kultur entwickelt. Formell gehörte es nicht zur Bundesrepublik, also gabs auch keine Bundeswehr und damit keine Wehrpflicht. Viele Intellektuelle "flüchteten" daher aus dem alten Bundesgebiet nach Berlin, um dem Dienst mit der Waffe zu entgehen. Auch mit der "Berlinförderung" des Bundes wurden unzählige Menschen in die Stadt an der Spree gelockt. Und so entstand - trotz Mauer - die typische Berliner Lebensart, ohne Sperrstunde und (fast) ohne Tabus, was Berlin wohltuend von Schicki-Micki-Städten wie München oder Stuttgart abhob.


Damals wie heute ein Wahrzeichen der Stadt: Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am
Breitscheidplatz am östlichen Ende des Kurfürstendamms
. Links dahinter das Europacenter.

Meine ersten Berlin-Erfahrungen beschränkten sich auf KuDamm und Umgebung, ich genoss die Abende im KuDorf oder Irish Pub (im Europacenter) und konnte mit einer offiziellen Stadtrundfahrt so gar nichts anfangen, weil mein Insiderwissen über die Stadt gleich Null war. Dies änderte sich mit den Jahren, vor allem dank eines Kumpels, der Politologie studiert hatte und mich in die Szene in Kreuzberg einführte. Dort brummte damals wirklich der Bär, ein Schmelztiegel sondersgleichen. Und gleich nebendran die Mauer, der öde Potsdamer Platz, die Kochstraße mit dem Checkpoint Charlie. Und die Friedrichstraße, über deren U-Bahnhof man in den Ostteil der Stadt einreisen und die bröckelnde DDR wortwörtlich so erleben konnte. Kaum zu glauben, dass zwei Teile ein und derselben Stadt ein so unterschiedliches Bild abgeben konnten.
Die friediche Revolution 1989 bereitete alledem ein Ende. In Rekordzeit entstand das Berlin, wie wir es heute kennen. Seit 1990 Hauptstadt des vereinten Deutschland, glich die Stadt jahrelang einer einzigen Baustelle (unvergessen der Potsdamer Platz mit fast 100 Kränen), und vor allem der frühere Ostteil ist heute nicht wiederzuerkennen. Die Friedrichstraße wurde zu einer Flaniermeile für gutbetuchte Touristen umfunktioniert und mit Beton-Glaspalästen (Galeries Lafayette!) verschandelt, der Potsdamer Platz vollkommen neu aufgebaut, "Unter den Linden" wird ihrem Ruf als Prachtstraße mittlerweile wieder gerecht, die "Wüste" im Spreebogen ist nun das Regierungsviertel (seit 1999 haben Bundesregierung und Parlament wieder ihren Sitz in der Hauptstadt) und der in unmittelbarer Nähe liegende bombastische Glaspalast, auch Hauptbahnhof genannt, ist ein Paradebeispiel für eine logistische Fehlplanung.



Hier war 1990 Ödland! Heute präsentiert sich der Potsdamer Platz in neuem Glanz - fast wie
eine "Stadt in der Stadt".


Aus dem kleinen verträumten Lehrter Stadtbahnhof wurde der Hauptbahnhof. Ein Ungetüm aus
Glas,  überdimensioniert und logistisch am falschen Platz (keine U-Bahn-Anbindung).
Und bei Sturm fällt schon mal ein Eisenträger von der Verkleidung herunter...



Dem deutschen Volke... Das Reichstagsgebäude ist unser Parlamentssitz. Und hier beweisen die
Politiker wirkliche Volksnähe: Es gibt keine Bannmeile wie in Bonn.



Zum Gedenken an das schwärzeste Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte: Mahnmal für die
ermordeten Juden Europas zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz.


Der Gendarmenmarkt ist einer der schönsten Plätze in Berlin.

Dafür funktioniert das restliche Schienennetz wie am Schnürchen: Das ohnehin schon gute U-Bahn-Netz wurde durch die S-Bahn (bis 1990 von der DDR verwaltet und mittlerweile perfekt ausgebaut) ergänzt und bildet nun zusammen mit Straßenbahn und unzähligen Buslinien ein perfektes Nahverkehrsnetz. Auch bei den alten Kulturbauten wurde / wird restauriert wie verrückt, sodass die alte Mitte nun in neuem Glanz erstrahlt. Und organisatorisch bedeutete das (Wieder-)Zusammenwachsen der Stadt eine Herausforderung allerersten Ranges (man denke nur an Strom- und Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung). Dies wurde mehr oder weniger gut gemeistert, nur eben mit dem kleinen Makel, dass die Hauptstadt heute absolut pleite ist.
Was mich etwas verwundert, ist der Umgang der Stadt mit ihrer jüngeren Geschichte. Mir kommt es manchmal so vor, als ob man die Jahre der deutschen (und damit der Berliner) Teilung möglichst schnell ausradieren möchte aus den Annalen und alle Zeugnisse dieser Zeit verschwinden lassen will. Palast der Republik? Schon weg. Mauer? Fast weg (bis auf ein paar jämmerliche Reste). Flughafen Tempelhof (unvergessen wegen der Luftbrücke 1948/49)? Dicht, Gras wächst auf dem Eingangsplatz. Deutschlandhalle? Aus im Herbst 2009. Und so weiter.
Hier nun ein kleiner Bilderreigen von Plätzen und Gebäuden, die Berliner Geschichte schrieben.



Der Palast der Republik beherbergte seit 1976 die Volkskammer der DDR und wurde auch für
kulturelle Veranstaltungen genutzt. Asbestverseucht, wurde er zuerst entkernt und dann
"zurückgebaut" (=abgerissen).
Dieses Foto stammt  aus dem Jahr 2007.


Frühjahr 2009: Weg ist er



Der Zentralflughafen Tempelhof erlangte durch die Luftbrücke 1948/49 Weltberühmtheit.
Im Jahr 2008 wurde er dichtgemacht.


Das Mahnmal ("Hungerkralle") erinnert noch an die Luftbrücke.


Die Mauer ist weg! Na ja, noch nicht ganz, wie hier an der Bernauer Straße, wo eine Gedenkstätte
entstanden ist.



Der berühmte "Bruderkuss" an der East-Side-Gallery unweit des Ostbahnhofs. Die East-Side-Gallery
wird überpinselt - ein "Investor" stört sich an dem einmaligen Kunstwerk.




Die Stones und andere Rockgrößen spielten hier. Hans Rosenthal unterhielt die Leute während der
Funkausstellung von hier. Unzählige Sportveranstaltungen fanden hier statt.
Nützte alles nichts: Die Deutschlandhalle wurde 2011 abgerissen.

Dafür soll in der bankrotten Metropole der wilhelminische Glanz wieder aufleben und für sündhaft teures Geld das Stadtschloss wieder aufgebaut werden. Das verstehe, wer will.
Was das Insider- und Szeneleben betrifft, hat sich auch einiges verändert. Vor allem Kreuzberg ist nicht mehr das, was es einmal war. Liegt nun ja auf einmal in der Mitte, mit allen Konsequenzen, vor allem, was die Immobilienpreise betrifft. Um "Kreuzberger Nächte" feiern zu können, muss man sich heute eher nach Pankow oder Friedrichshain im früheren Osten begeben. Aber geht nun für mich sowieso nicht mehr: Das Leben hat hier leider seine hässliche Seite gezeigt. Dafür aber kann ich immer behaupten, den rasanten Wandel einer einmaligen Stadt hautnah miterlebt zu haben. Und vor allem dass es über drei Jahrzehnte zwei tolle Menschen für mich gab, die ich wirklich als "Freunde" bezeichnen konnte. Ein großer Dank an euch nach ganz oben, Peter und Edelgard!
Berlin ist eine Reise wert - und auch ich hoffe, in Zukunft wenigstens ab und zu wieder dorthin zu kommen.



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  Letztes Update: 02.10.2017
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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