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  Sella-Marmolada-Runde 24.06.2018 10:33 (UTC)
   
 

Sella-Marmolada-Runde

Passo Fedaia (2067 m) / Passo Pordoi (2239 m)


Unsere längste und schwerste Tour führte uns zur Marmolada und zum Sellastock. Dabei gab es ein Déjà vu mit den Pässen Pordoi und Fedaia, die wir bereits im vergangenen Jahr befahren hatten; diesmal gingen wir sie aber jeweils von ihrer anderen Seite an (wobei uns der Ostanstieg zum Fedaia mit seinen superschweren letzten 6 Kilometern schon vorher gehörigen Respekt einflößte). Zusammen mit der kleinen "Zugabe" hinauf nach Colle Santa Lucia und der Schlusssteigung nach Santa Fosca kamen so stattliche 82 Kilometer mit 2150 Höhenmetern zusammen, was für mich neue persönliche Bestleistung bedeutete.
Zu Beginn dieser Runde gings aber erstmal steil und kurvenreich nach unten ins Fiorentinatal, wobei wir über 400 Höhenmeter liegen ließen.


Im idyllischen Örtchen Caprile begann dann der 14 Kilometer lange Anstieg zum Fedaia. Dessen erste Hälfte ist wirklich alles alles andere als furchterregend: Nur selten einmal, und dann auch nur kurz, übetrifft die Steigung die 7%-Marke. Wir radelten durch mehrere kleine Ortschaften ins Pettorinatal hinein, dessen landschaftlicher Höhepunkt die tief eingeschnittene Sottogudaschlucht ist. Oft nur wenige Meter breit, wird sie von senkrecht aufragenden Felswänden eingerahmt. Wir hätten zwar auch auf der neuen Straße, welche diese Schlucht auslässt, bleiben können, aber das wäre wirklich ein Fehler gewesen. Die Landschaft konnten wir nämlich zu diesem Zeitpunkt noch in vollen Zügen genießen.


Blick in die Sottogudaschlucht, von der neuen Straße aus



In der Schlucht. Oben sieht man die neue Straße

Das änderte sich nach Verlassen der Schlucht und Rückkehr auf die neue Straße schlagartig, denn nach dem bisher eher gemächlichen Einrollen erwartete uns nun ein Ende mit Schrecken: Auf den letzten 5 Kilometern gewinnt die Straße nämlich nicht nur 550 Höhenmeter, sondern sie tut das auch noch auf eine denkbar einfache Weise: Sie führt überwiegend geradeaus.
Solche Steigungen sind die schlimmsten. Man glaubt nämlich förmlich, zu stehen. 15 Prozent, der Schweiß lief in Strömen, der kleinste Gang war schon lange eingelegt. Schon von Weitem konnte ich die Liftstation und die Serpentinen oben erkennen, aber sie wollten einfach nicht näher rücken. Fluchend und mit der Geschwindigkeit eines flott dahinmarschierenden Wanderers quälte ich mich dieses gerade Straßenstück (was bei der Abfahrt Spitzengeschwindigkeiten von über 100 km/h zulässt) hinauf; den Blick für die Landschaft hatte ich längst verloren.


Kein Spaß: 15 Prozent und fast schnurgerade Straße.
In der Ostauffahrt zum Fedaiapass



Andi kurz vor der Passhöhe

Dann die ersten kunstvoll angelegten Serpentinen, kurze Erholung. Doch nach der 3. Kehre wieder ein Schild: Nochmal 15 %, und das fast bis ganz oben. Welche Freude, als nach einer langgezogenen Rechtskurve plötzlich das Passschild auftauchte.


Geschafft: Andi und ich am Passschild

Nach einem schnellen Klamottenwechsel dann die Fahrt am Fedaia-Stausee entlang, wo über uns die Firnfelder der Marmolada leuchteten. Ein wunderschönes Fleckchen Erde!

Die Abfahrt, an deren Anfang ein Tunnel und zwei Galerien den Fahrspaß trübten, führte uns dann hinunter nach Canazei, ein vom Tourismus hoffnungslos verstopftes Städtchen. Deshalb machten wir hier nur kurz Pause und nahmen dann den Pordoi in Angriff. Mit insgesamt 27 Kehren überwindet die Straße auf 13 Kilometern 800 Höhenmeter, und das mit gleichmäßiger Steigung. So kam mir dieser Anstieg nach der Quälerei hinauf zum Fedaia so richtig angenehm vor.


Weggabelung: Rechts gehts zum Pordoi, links zum Sella-
und Grödner Joch. Hier findet man eine Gedenktafel zu
Ehren von Fausto Coppi (unten)
Schnell gewann ich an Höhe, und in einmaliger Landschaft (links der Langkofel, vorne das Sellamassiv) wurde mir immer wieder bewusst, welch ein wunderschöner Sport das Radfahren sein kann.


Das Langkofelmassiv mit Plattkofel, Fünffingerspitze, Langkofel und dem
Sellajoch (ganz rechts)


Kleines Déjà vu: Hier standen wir vor einem Jahr schon mal

Die Passhöhe des Pordoi war wie fast immer total von Touristen überlaufen; dennoch gönnten wir uns erstmal eine Portion Spaghetti, bevor wir uns auf die fast 20 Kilometer lange Abfahrt machten. Dabei liefen auf den ersten 8 Kilometern fast die Bremsen heiß, denn bis ins 8 Kilometer entfernte Arabba zählt die Straße 33 Serpentinen. Dabei hat man immer die Auffahrt (bzw. Abfahrt, wie man will) des Campologopasses sowie den Col di Lana im Blick. Dieser 2500 m hohe Berg gelangte zu trauriger Berühmtheit, weil im Ersten Weltkrieg im Rahmen der Alpenschlachten ein Teil seines Gipfels förmlich weggesprengt wurde.

Hinter Arabba verlor die Straße dann kaum noch an Höhe und Kehren gabs auch keine mehr; mittreten war auf jeden Fall angesagt.

Wir befanden uns nun am Hang des Cordevoletals und hatten immer wieder wunderschöne Ausblicke hinüber nach Colle Santa Lucia und ins weitere Tal hinab.
Bevor es in den Anstieg zum Falzaregopass hineinging, bogen wir bei Andratz rechts ab. Zunächst führte die Straße noch stetig bergab, bis bei Rucava der Anstieg hinauf nach Colle Santa Lucia begann. Er ist an sich nicht sonderlich schwer, aber langsam machten sich schon die beiden großen Pässe und über 60 Kilometer in den Beinen bemerkbar. Dennoch - aber vielleicht gerade deswegen - war ich relativ schnell oben. Die Straße führt fast ausschließlich durch den Wald, besitzt keinerlei Serpentinen und befindet sich in hervorragendem baulichen Zustand. Oben angekommen erwartete uns ein phantastischer Blick hinunter nach Caprile, ins Pettorinatal, zum Alleghesee und auf die alles überragende Civetta.


Dieses Tal fuhren wir hoch. Vorne Caprile, dahinter das Val Pettorina


Die Civetta überragt den Alleghesee

Da das Wetter umzuschlagen drohte, machten wir uns aber gleich auf die Abfahrt, quälten uns dann noch mehr schlecht als recht die 10%-ige Steigung durch Selva di Cadore hinauf nach Santa Fosca und erreichten pünktlich, als der Himmel seine Schleusen öffnete, unseren Startort.
Da uns diese Tour durch den vielleicht schönsten Teil der Dolomiten führte, kann ich sie jedem Hobbyradler nur empfehlen. Man sollte sie aber anders herum fahren, denn die Ostseite des Fedaia ist wirklich nur etwas für Hartgesottene. Doch auch dieses An-die-Grenze-gehen gehört für mich bei Pässefahrten dazu. Dass der Spaß dennoch nicht zu kurz kam, zeigt die Tatsache, dass wir unser Begleitfahrzeug (mit Armin als Fahrer) kurzerhand mit einem Handfeger schmückten und damit zum "Besenwagen" umfunktionierten und dass wir von unserem Begleiter am Ende des letzten Anstiegs mit einem Piccolo überrascht wurden.


Unser "Besenwagen" mit dem Lohn für die Anstrengungen


Höhenprofil der Tour


Dieses Profil wurde mit dem
Rennrad-Tourenplaner von www.quaeldich.de erzeugt. Touren planen im Online-Tourenplaner



Höhenprofil Fedaia

Höhenprofil Pordoi

Höhenprofil Colle St. Lucia



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  Letztes Update: 14.06.2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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