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  Piancavallo 24.06.2018 10:38 (UTC)
   
 

Piancavallo (1270 m)

Wie schnell es gehen kann, dass man einen bis dato unbekannten Anstieg unter die Räder nimmt, und welche Überraschungen da auf einen warten können, sollte ich während meines Lignano-Urlaubs erfahren. Wettertechnisch war ja ein geplanter Aufenthalt in den Dolomiten abgeblasen worden, also suchte ich nach Alternativen, die ich von meinem Adria-Quartier aus mit dem Auto anfahren konnte.
Beim Studium der Karte fiel mir ein Name auf: Piancavallo. Piancavallo....da war doch was! Richtig, in den 1980er und 1990er Jahren fanden dort Ski-Weltcuprennen statt. Und da hinauf führt eine Straße, die wohl gut ausgebaut sein und kaum steilere Rampen aufweisen sollte. Schließlich müssen ja Busse diesen Wintersportort anfahren können. L'Alpe d'Huez lässt grüßen, und das war zwar schwer, aber mittlerweile konnte ich schon deutlich anspruchsvollere Anstiege meistern.
Die Zahlen wirken auf den ersten Blick auch nicht gerade abschreckend. Etwas mehr als 16 km lang, Höhenunterschied 1100 Meter. Und obwohl ich im oberen Teil eine Alternativroute wählte und so wohl noch ca. 100 Höhenmeter dazukamen - 1200 Hm auf 16 km klingen nicht unbedingt furchterregend.
Was die Sache aber wirklich schwer macht, ist die Tatsache, dass auf den ersten 8 km 800 Höhenmeter überwunden werden. Und das auf breiter, relativ gut ausgebauter Straße fast ohne Kehren. Da kommt die Steilheit nicht annähernd rüber, und man glaubt manchmal, zu stehen, was bei Rampen von 14 % auch kein Wunder ist (Schnitt: knapp 10 %).
Dazu kam, dass ich bei meiner Tour hochsommerlich-tropisches Wetter erwischt hatte. 35 Grad, drückende Schwüle, eigentlich Strandwetter. Doch für die nächsten Tage angekündigte Gewitter ließen mich nicht lange fackeln und die knapp 100 km nach Aviano am Fuß des Anstiegs zu fahren.
Aviano liegt noch in der venezianischen Tiefebene auf ca. 150 m Meereshöhe und ist bekannt durch seinen US-Militärflughafen; der Lärm der aufsteigenden Düsenjets erfreute mich denn auch während der rund 2 Stunden dauernden Quälerei hoch nach Piancavallo. Mein Auto stellte ich "wild" ab, damit ich mich etwas warmrollen konnte (wobei der Begriff "warmrollen" bei solchen Verhältnissen fast ein Hohn ist!).


 

Anfahrt: Dort irgendwo gehts rauf

Der Anstieg beginnt abrupt an einem Kreisverkehr. Man hat zwar noch ca. 500 Meter zum Eingewöhnen, aber das wars dann. Unbarmherzig zieht die Straße an, 8 km lang, nie unter 8 %. Die Rampen sind selbstredend deutlich steiler, bis 14 %. Die Blicke nach unten sind toll und bei weniger dunstiger Wetterlage wohl noch reizvoller - aber ich hatte nach wenigen Kilometern nur noch mit mir zu tun.
Durch die oben beschriebene Straßenbeschaffenheit meinte ich manchmal, zu stehen. Nicht mehr vorwärts zu kommen, obwohl es soo steil gar nicht erschien. Das ist ein Fall für Psychologen.
Ich glaube, an noch keinem Anstieg hatte ich eine dermaßene Ansammlung an Gedanken, meine Bergfahrerei endgültig aufzugeben und mich zukünftig Flusstälern zu widmen. Dazu kam, dass die Motivation, hier hochzufahren, nicht annähernd mit der an Passgrößen wie Stilfser Joch oder Giau (um nur zwei zu nennen!) mithalten kann. Nur der innere Schweinehund und der Höhenmesser, der mir irgendwann ein Nachlassen der Steigung versprach, hielten mich auf dem Rad. Nun gut, zumindest nutzte ich ein paar Schwächemomente für Fotoaufnahmen.


Erster Blick nach unten


Sehr steile, breite Straße


Weit oben. Der Militärflughafen Aviano ist zu erkennen



Durchnummerierte Kehren. Im unteren Abschnitt
gibt es kaum welche


Ab km 9 flachte die Straße dann merklich ab, nur eine kurze giftige Rampe brachte mich nochmals fast zum Stehen. Aber sonst lief es immer besser bei nunmehr kaum über 6 %. Kurz vor einem Antennenwald teilte sich die Straße. Ich wählte die Alternativroute und verließ die gut ausgebaute, breite Hauptanfahrt. Diese Nebenstraße führt um einen Berg herum und kommt von oben nach Piancavallo hinein. Das bedeutete nochmal 100 Höhenmeter mehr, aber ein landschaftlich tolles Erlebnis. Lediglich beim Durchfahren des Antennenwaldes hatte ich Angst, dass mein Handy explodieren würde...


Ein Antennenwald. Hier teilt sich die Straße


Ein Blick zurück auf die oberen Kehren


Plötzlich steht man vor dem Ortsschild

Auf steil abfallender Straße rollte ich in den Ort hinein. Piancavallo selbst kannst du vergessen. Eine Ansammlung an hässlichen Hotelbauten und Wintersportanlagen. Jetzt, im Juni, war der Ort tot. Nichtmal ein Café war offen.


Wintersportort...


....mit schrecklichen Bauten!

Was natürlich klasse war, war die Abfahrt auf dieser tollen Straße. 1a-Belag, breit, weit auseinandergezogene Serpentinen. Da konnte ich es so richtig schön laufen lassen und war ganz schnell wieder unten in Aviano.

Summa Summarum: Wer es sich mal richtig geben will und dann volle Pulle abfahren: Rauf nach Piancavallo! Ich selber brauche diesen Anstieg nicht mehr, aber vom sportlichen Wert war er erste Sahne - schwerer als Alpe d`Huez!


Höhenprofil (Hauptroute)






 
  Letztes Update: 14.06.2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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