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  Monte Zoncolán 28.05.2018 04:50 (UTC)
   
 

Monte Zoncolán (1735 m)


Frage: Wie kann man einem Radsportler die Lust an seinem Hobby nehmen? Antwort: Indem man ihn auf den Monte Zoncolán fahren lässt. Von der Westseite.
Der Monte Zoncolán, eine alte Passstraße ohne große Bedeutung, liegt im Nordosten Italiens, im Friaul, dieser wunderschönen, rau und wild wirkenden Gebirgsregion, und war in diesem Jahr Bergankunft einer Etappe des Giro d'Italia. Da ich zu dieser Zeit meinen obligatorischen Pfingsturlaub in Lignano (Adria) verbrachte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, diesem Spektakel beizuwohnen; knapp 1 1/2 Autostunden sind ja keine unzumutbare Entfernung. Und ich wollte diesen Berg, der als einer der schwersten und steilsten überhaupt gilt, mit dem Rad bezwingen.
Da die Westseite des Zoncolán als Schlussanstieg der Etappe gesperrt war, fuhr ich mit dem Auto bis Sutrio am Beginn des Ostanstiegs. Wegen des Zuschauerandrangs war an der Staatsstraße ein Parkplatz mit Busshuttle eingerichtet worden. Dort ließ auch ich das Auto stehen. Ich sah schon den Hubschrauber über der Passhöhe kreisen und irgendwie lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.
Der Ostanstieg ist 14 Kilometer lang und überwindet 1250 Höhenmeter. Die ersten 10 Kilometer sind gut ausgebaut und führen in ein hässliches Skigebiet. Die letzten 4 Kilometer dagegen sind identisch mit dem alten Ostanstieg, der die 1250 Höhenmeter auf lediglich 10,5 Kilometern überwindet. Und dieser Schlussteil hat es wirklich in sich.
Zuerst ging es aber flach durch Sutrio, danach in mäßiger Steigung bis zum Beginn der aus insgesamt 10 weit auseinandergezogenen Serpentinen bestehenden Neubaustrecke. Obwohl auch diese Strecke eine Durchschnittssteigung von 8 % aufweist, musste ich mich gar nicht so sehr anstrengen. Im Gegenteil, ich überholte sogar einige Radfahrer, die an diesem Tag in Heerscharen den Berg hinauffuhren. Da die Strecke aber fast nur durch dichten Wald führt, bietet sie landschaftlich in diesem Abschnitt sehr wenig. Nur ab und zu konnte ich einen Blick hinunter ins Tal erhaschen und war erstaunt, dass ich doch schon soviel an Höhe gewonnen hatte.

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Blick ins Tal nach Arta Terme

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Im neuen Teil des Ostanstiegs. Hier
ist die Steigung noch erträglich.

Nach 10 Kilometern dann das Skigebiet mit einem Riesenparkplatz, an diesem Tag als Souvenirmarkt für Giro-Fans benutzt. Also noch 4 Kilometer - aber mein Höhenmesser zeigte, dass noch fast 500 Höhenmeter fehlen. Das heißt: Durchschnittsteigung über 12 %! Die Straße wurde augenblicklich schmaler, und 4 Horrorstücke (bis 23 % Steigung!), die glücklicherweise von kurzen Flachpassagen unterbrochen waren, brachten mich - im kleinsten Gang fahrend - fast zum Stillstand. Aus dem Sattel musste ich sowieso, weil ich das Vorderrad sonst nicht mehr hätte kontrollieren können. Viele Radler schoben, andere quälten sich in Schlangenlinien den Berg hinauf. 1 Kilometer vor der Passhöhe war dann auch für mich Schluss: Ich gesellte mich zur großen Anzahl der schiebenden Zunft. Meine Bewunderung verdienten diejenigen, die hier mit einem Zweifachkettenblatt raufFUHREN.

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15 % Steigung, hinter der Kurve werden es 23 %!

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Blick auf das scheußliche Skigebiet. In der Mitte ist die Straße
zu erkennen.


Die letzten 500 Meter konnte ich dann wieder fahren. Leider war mir mein großes Ziel, die Etappenankunft live mitzuerleben, nicht vergönnt. Ich war platschnass geschwitzt, und hier oben hatte es gerade mal 10 Grad. Schade, denn die Stimmung war unglaublich. 100000 Leute sollen es gewesen sein, die auf die Ankunft ihrer Idole warteten.

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Also schnell umgezogen, ein paar Fotos geschossen und wieder runter. Dabei hatte ich auf den Steilstücken mit dem Bremsen große Probleme - die neue, breite Straße weiter unten brachte jedoch tollen Abfahrspaß.
Und derweil quälten sich die Profis die andere Seite hoch. Sie ist auf insgesamt 8 Kilometern so steil wie das Schlussstück der Ostauffahrt. Ich habe mir das später im Fernseher angeschaut (habs auf Video aufgenommen), und musste mich wirklich fragen, ob das noch viel mit Radsport zu tun hat. Muss dieser Zirkus sein, ist die Sensationsgier der Leute nur noch mit solchen fast unmenschlichen Anforderungen zu stillen? Selbst die Besten blieben in den bis 25 % steilen Rampen fast stehen. Und von dieser Seite wollte ich ursprünglich rauf...
Womit wir bei der Frage vom Anfang wären!

Höhenprofil der Ostseite

Höhenprofil der Westseite

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  Letztes Update: 27.05.2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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