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  Touren rund um Arsiero 19.10.2018 15:38 (UTC)
   
 

Touren rund um Arsiero

Wer kennt Arsiero? Wahrscheinlich kein Mensch, und Erleuchtung wird auch dann nicht aufkommen, wenn man die genauere Lage dieser 3100-Einwohner-Gemeinde zum Besten gibt. Venezianische Voralpen? Sieben Gemeinden? Man erntet allenfalls Schulterzucken oder Kopfschütteln.
Dennoch würde ich keinem meiner Gesprächspartner mangelnde geographische Kenntnis unterstellen. Selber kam ich auf Arsiero durch dieses tolle Buch (Denzels großer Alpenstraßenführer) sowie eigene Erfahrungen aus dem Vorjahr. Damals war ich ja zum Abschluss meines Aufenthalts in Feltre nach Enego hochgefahren, ein wunderbarer, serpentinenreicher Anstieg mit gleichmäßigen humanen Steigungsprozenten - toll. Und Enego ist eine dieser "Sieben Gemeinden", die sich auf einer Hochebene breit machen und ihre Wurzeln wohl um das Jahr 1100 haben, als sich Bauern aus dem bayerischen Raum dort ansiedelten. Als Relikt ist die zimbrische Sprache geblieben, welche aber heute nur noch von wenigen Menschen gesprochen wird.
Die bekanntesten Auffahrten zur Hochfläche sind neben der oben genannten die nach Foza (2017 vom Giro befahren), Tresché Concha und Rotzo.
Mindestens genauso attraktiv für Radsportler ist die Gegend westlich von Arsiero, wo als bekanntester Pass der Pian delle Fugazze (1163 m) zu nennen ist. Diesen, den Passo Xomo und den nicht zu unterschätzenden Passo Borcola (sehr steile letzte 4 Kilometer) hatte ich ja im Vorjahr in einer schweißtreibenden, spektakulären Runde unter die (Fahr-)Räder genommen.
Ein richtiger "Hammer" wartet auf den Radler aber nordwestlich von Arsiero: Die Auffahrt nach Tonezza del Cimone und weiter über den Hochpunkt Bocchetta degli Alpini hoch zum Passo Valbona (1782 m) ist landschaftlich und auch straßenbautechnisch schlicht und einfach umwerfend. Diese Tour stand auf meiner Liste ganz oben, war sie doch auch von großem sportlichen Wert (30 Kilometer, fast 1500 Höhenmeter). Leider erreichte ich den Valbonapass aus wettertechnischen Gründen nicht, aber der Rest war klasse...



Bocchetta degli Alpini (1560 m)

Erstes Ziel war also der weitgehend unbekannte Passo Valbona der mit knapp 1800 Metern ja nicht unbedingt ein Zwerg unter den Straßenübergängen in den Alpen ist. In dessen unmittelbarer Umgebung finden sich unzählige Relikte aus dem Ersten Weltkrieg, als sich dort oben Österreicher und Italiener blutige und verlustreiche Schlachten geliefert hatten (Ähnliches konnte ich ja schon auf dem Monte Grappa und im Pasubiogebiet beobachten).
Da sich die Wetterlage sehr instabil zeigte und ab Mittag Gewitter vorhergesagt waren, fuhr ich bereits in der morgendlichen Kühle los. Die Abfahrt von meiner Unterkunft hinunter nach Arsiero, die mich knapp 200 Höhenmeter kostete, blies mich gleich richtig durch. In Arsiero orientierte ich mich nicht an der Beschilderung nach Tonezza, sondern blieb erstmal auf der SP 350 Richtung Trento. Nach knapp 5 Kilometern zweigt (am Ende der kleinen Ortschaft Bacarola) links eine unscheinbare Straße ab. Dies war früher die Hauptverbindung hinauf nach Tonezza und sollte ein absolutes Highlight dieser Tour werden.



Beginn der alten, für KFZ gesperrten Serpentinenstrecke in Barcarola



Langsam überwuchern Pflanzen die alte Straße

Für den motorisierten Verkehr ist diese Straße schon seit vielen Jahren gesperrt. Dafür wird sie von unzähligen Radfahrern genutzt, nicht zuletzt wegen ihrer moderaten Steigung und dem spektakulären Trassenverlauf. In 24 eng angelegten Kehren führt die sehr schmale Straße mit ihrem in die Jahre gekommenen Belag den Steilhang hinauf. Leider hält sich die Aussicht in Grenzen; andererseits spendet der Wald fast durchwegs wohltuenden Schatten.


Vom gegenüberliegenden Hang ist die Serpentinenstrecke hervorragend
auszumachen



Das war einmal die Haupt-Zugangsstraße nach Tonezza del Cimone!

Zwischendurch gestattete das dichte Ast- und Buschwerk dann doch fantastische Ausblicke nach unten oder zum gegenüberliegenden Hang, wo sich die kunstvoll angelegte Auffahrt von Pedescala nach Rotzo und in die Hochebene der Sieben Gemeinden hervorragend ausmachen ließ.



Großartige Straßenführung am gegenüberliegenden Hang: Die Straße
von Pedescala zur Hochebene der Sieben Gemeinden


Nach 8 Kilometern war dieser Streckenabschnitt geschafft - scheinbar mühelos. Das Sträßchen mündet in die (nicht mehr ganz so) neue SP 83, welche von Arsiero nach Tonezza, das ich nach zwei weiteren, auseinandergezogenen Kehrn erreichte, führt.


Einmündung der alten in die neue Straße nach Tonezza del Cimone


In Tonezza machte ich eine kurze Pause und radelte dann weiter. Auch angesichts der sich zunehmend auftürmenden dunklen Wolken war dies angebracht. Die Straße machte, nach zwei weiteren Serpentinen im  Ort, einen Schwenk nach Norden und tauchte dann in eine schier unglaublich schöne Landschaft ein. Spannende Felsformationen, aufgrund der geringen Meereshöhe größtenteils spärlich bewaldet, prägen die Gegend. Die Straße verläuft nun, um den markanten Felsklotz Spitz Tonezza herum, immer mehr am Hang entlang. Der Belag ist teilweise fürs Rennrad sehr schlecht, dazu kommen einige unbeleuchtete, aber kurze Lawinengalerien und Tunnels. Sehr moderat die Steigung: Sie übersteigt nur selten die 8 % - Marke und lässt somit gleichmäßiges Kurbeln zu. Und nochwas: Hier oben gibt es kaum motorisierten Verkehr, da sich wohl nur selten ein Mensch hierher verirrt.


Beeindruckende Landschaft nördlich von Tonezza







Ausgesetzte Straße



Blick hinab in die Schlucht

Irgendwie hatte mich die Landschaft derart fasziniert, dass ich gar nicht bemerkte, welche Höhe ich bereits erreicht hatte. Plötzlich war ich nämlich beim ersten Hochpunkt angelangt, dem 1560 Meter hohen Bocchetta degli Alpini mit seinem kleinen Kirchlein.


Kirchlein Chiesetta del Restele bei der Passhöhe




Unscheinbare Passhöhe Bocchetta degli Alpini


Hier teilt sich die Straße. Geradeaus gehts hinunter nach Folgaria, links zweigt eine Straße (katastrophaler Zustand auf dem ersten Kilometer!) zum Passo Valbona ab. Leider hatte es sich mittlerweile total zugezogen, dass ich nach der Durchfahrt eines weiteren kurzen Tunnels zum Rückzug blies.


Kurz hinter der Passhöhe: Berg in Wolken, Rückzug



Da wollte ich ursprünglich noch hin: Passhöhe des Valico del Valbona (1782 m).
Das Foto machte ich zwei Tage später auf einer Tour mit dem Auto.


Auf der Rückfahrt machte ich ab Tonezza noch einen Abstecher zum Monte Cimone, einem Berg nördlich von Arsiero. Von dort aus hat man einen tollen Ausblick, und ein Ossarium sowie alte Schützengräben erinnern an die Gräuel des Ersten Weltkriegs.
Über die Abfahrt auf der SP 83 hinunter nach Arsiero lässt sich nur eins sagen: Vorsicht im oberen Bereich!! Hier befindet sich der Straßenbelag stellenweise in einem derart schlechten Zustand, dass man selbst sündenteuren Rennradreifen den Garaus machen kann, wenn man mit zu viel Karacho angeschossen kommt. Weiter unten gibts mehrere Tunnel (der längste misst ca. 120 Meter), die Beleuchtung ratsam machen.
Am Schluss erfreuten mich dann noch die 200 Höhenmeter rauf zu meiner Unterkunft, sodass am Schluss neben 62 Kilometern gut 1800 Höhenmeter zusammenkamen. Also eine landschaftlich wie auch sportlich überaus wertvolle Runde!

Höhenprofil Bocchetta degli Alpini ab Arsiero

 
 
In die Hochebene der Sieben Gemeinden (über den Anstieg "Valico del Rotzo")

Am zweiten Tag meines Aufenthalts in Arsiero ging es also hoch zu den Sieben Gemeinden (ital.: Altopiano dei Sette Comuni). Wieder waren Gewitter vorhergesagt, sodass ich mich erneut bereits am Vormittag auf die Socken machte. Die Anfahrt war identisch zu der des Vortages - der Zufall wollte es dass beide Anstiege aus dem selben Tal nahezu genau gegenüber lagen und man den Streckenverlauf von der anderen Seite wunderbar einsehen konnte.


Abzweig von der Hauptstraße bei Pedescala; Brücke über den Torrente Astico



Der großartige Streckenverlauf, vom gegenüberliegenden Hang aus gesehen


Dieser Anstieg, auf Webseiten wie dieser auch mit "Valico del Rotzo" bezeichnet, führt über 17 teils enge, teils weit auseinandergezogene Kehren mit bemerkenswerter Gleichmäßigkeit (Steigung immer so um die 6 Prozent) nach oben und bugsierte mich auf 14 Kilometern Länge um 700 Höhenmeter hoch. Eine regelrechte, wenig anstrengende Genusstour, zumal sich auch immer wieder tolle Blicke nach unten boten. Diese waren mir ja tags zuvor, als die Serpentinenstrecke fast nur durch den Wald führte, fast gänzlich verwehrt geblieben. Und noch ein Unterschied: Die Straße präsentierte sich in hervorragendem Zustand.


Tonezza del Cimone; dort war ich am Tag zuvor. Man betrachte den Himmel.



Serpentinen im oberen Teil des Anstiegs



Ein Blick zurück. In der Bildmitte ist die alte Serpentinenstraße nach Tonezza
zu erkennen. Diese war ich am Tag vorher gefahren.



Kehren von oben



Großartige Straßenbaukunst



In den Fels geschlagene Straße



Ein letzter Blick zurück, 500 Meter weiter oben



Der "Dom" von Castelletto



Rotzo

Nichtmal eine Stunde brauchte ich bis oben. Dort machte ich mir erstmal Gedanken, ob ich meine Tour fortsetzen oder wieder zurückfahren sollte, denn von zwei Seiten zogen drohende Wolken auf. Ich entschloss mich aber doch, über eine verkürzte Runde weiterzufahren, um diese wunderbare Hochebene, die auch unsere Mittelgebirgslandschaft in Oberfranken sein könnte, zu genießen. Mittelgebirgsmäßig war auch ein strändiges Auf und Ab, nur mit dem Unterschied, dass ich mich auf ca. 1000 Metern Höhe befand. Ich passierte saftige Wiesen, Laub- und Nadelwälder sowie putzige Ortschaften und stellte zufrieden fest, dass sich die Gewitter Richtung Nordosten verzogen.



Hochebene der Sieben Gemeinden: Eine Landschaft wie in den
oberfränkischen Mittelgebirgen


In der Ortschaft Tresche Concha begann die tolle Abfahrt hinunter nach Caltrano. Die ersten Kilometer verläuft die Straße fast gerade. Hier konnte ich das Rad so richtig laufen lassen, bis ich mir nach ungefähr 4 Kilometern wie an einer Sprungschanze vorkam.
 


Steil gehts nach unten

Die Straße machte einen Knick nach links, und schon war ich mitten im Steilhang, in dem die Route über 10 weit auseinandergezogene, sehr gut ausgebaute Serpentinen nach unten führt. Diese Tatsache nutzen leider auch immer wieder zahlreiche Motorradfahrer, die dort hinauffahren wie die Verrückten. Teilweise muss man wirklich sagen: Das ist nicht nur fahrlässig, sondern gefährlich.


Eine von 10 Kehren hinunter ins Tal

Von Caltrano waren es dann noch etwas mehr als 10 flache Kilometer zurück nach Arsiero, wo ich mir vor dem Schlussanstieg zurück zum Quartier auf dem heimeligen Marktplatz noch einen Cappuccino gönnte.
Dass dann wirklich ein Gewitter aufzog und ich mit Ach und Krach noch trocken meine Unterkunft erreichte, konnte die tollen Eindrücke dieses Tages nicht mehr schmälern.


Höhenprofil der Tour

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  Letztes Update: 17.10.2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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