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  Schnalstal 18.11.2017 08:12 (UTC)
   
 

Schnalstal (2000 m)


Das Schnalstal liegt in den Ötztaler Alpen und zweigt im Bereich Naturns aus dem Vinschgau in nördlicher Richtung ab. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte das Tal durch den Fund der Gletschermumie "Ötzi" im Jahr 1991, was heute gnadenlos touristisch ausgebeutet wird und wohl vor allem geistig simpler gestrickte Personen zum Besuch dieser eigentlich urwüchsigen Landschaft verführt. Am Talschluss hat man in Kurzras eine künstliche Hotelsiedlung errichtet, die den Brettlfans im Winter ihre Gaudi garantieren soll.
Mir war der Ötzi ziemlich egal, auch der archäologische Park weiter oben im Tal interessierte mich nicht sonderlich. Und da auch die Gefahr eines Auftritts von DJ Ötzi nicht bestand, konnte es ja losgehen.
Eins gleich vorweg: Auch für die Schnalstal-Auffahrt gilt, dass die Bezeichnung "Tal" zur irrwitzigen Annahme einer gemütlichen Radtour verleiten könnte. Dem ist aber nicht so: 24 Kilometer mit fast 1500 Höhenmetern sprechen eine deutliche Sprache und lassen so manch bekannten Alpenpass blass aussehen.
So startete ich an einem angenehm warmen Vormittag von meiner Bleibe in Schlanders aus. Insgesamt 90 Kilometer (wegen der Anfahrt bis Naturns) standen also auf dem Programm - an die Steigung hinauf auf 2000 Meter und vor allem die Überlänge des Anstiegs mochte ich auf den ersten Kilometern auf dem Vinschgau-Radweg noch nicht denken. Im Gegenteil: Es ging immer leicht bergab, 30 bis 35 Stundenkilometer schnell, leichter Gegenwind, die Kette surrte - wunderbar. Und ich fand durchaus Gelegenheit, besondere Momente im Foto festzuhalten.


Kirchlein in Staben



Schlauchbootfahrer auf der Etsch
 

Nach dem fast schon obligatorischen Verfahrer bei Naturns fand ich - nach kurzem Intermezzo auf der viel befahrenen Staatssstraße - den gut beschilderten Einstieg ins Schnalstal.
Dort wartete die erste Überraschung, nicht unbedingt der positiven Art: Gleich zu Anfang galt es einen 1200 m langen Tunnel zu durchfahren. Die Ausweichstrecke ist wegen Steinschlag offiziell gesperrt, und ich rate jedem ab, es doch auf eigene Faust zu versuchen.



Tunnelumfahrung unmöglich



Der Grund wurde schnell klar...
 


Dasselbe von der anderen Seite des Tunnels
 

Das Gleiche wiederholte sich wenig weiter oben, nur dass der zweite Tunnel mit 300 Metern deutlich kürzer war. Also für alle Nachahmer: Licht mitnehmen (ich hatte keins dabei - aber die Tunnel sind zumindest gut beleuchtet).


Die ersten Kilometer der Auffahrt

Die ersten Kilometer ist die Straße spektakulär an eine Felswand gequetscht und verläuft durch ein enges, von hoch aufragenden Felsformationen eingeschlossenes Tal. Zwar weitet sich dieses dann, aber eins bleibt gleich: Es geht immer hoch, mal mehr (Spitzen um 11 %), mal weniger. Und keine einzige Kehre. Solche Strecken machen einen platt, vor allem, wenn man sie - wie ich - nur zwei Tage nach dem Stilfser Joch angeht. Aber nun war ich drin, und so musste ich durch. Die Klamotten waren schnell klatschnass geschwitzt, und auch der Wasservorrat sollte mit Ach und Krach bis oben reichen.
Bei Kilometer 15 dann ein Wechsel der Szenerie: Unmittelbar hinter dem Ort "Unsere liebe Frau" nimmt die Steigung rapide zu (abschnittweise 15 %), und über 6 Kehren bugsierte ich mich hoch zum Vernagt-Stausee (entstanden in den 1950er Jahren).
Dieser See - zur Stromgewinnung angelegt - ist ein wunderschönes Kleinod, bei Wanderern beliebt und besticht durch sein türkisblaues Wasser.


Welch schöner Ortsname!



Staumauer des Vernagt-Stausees



Vernagt-Stausee



Blick von der Staumauer zurück

Ich hatte bis zu meinem Ziel aber noch gut 8 Kilometer zurückzulegen. Erst genussweise (am See entlang), dann wieder heftig transpirierend, da die Steigung nochmals merklich anzog. Aber meine Schwäche hier, in einer lieblichen Almenlandschaft, beruhte wohl eher auf der Auffahrt zum Stilfser Joch zwei Tage vorher.


Traditionelle Häuserbauweise...

Schließlich ereichte ich (auf dem Zahnfleisch) den Endpunkt, Kurzras, auf 2000 Metern Höhe. Eine dieser Bettenburgen (im Miniformat), die dem Skivolk im Winter das nötige Après-Ski-Feeling vermitteln sollen. Fürchterlich! Der Kellner einer Bar war wohl immer noch im Wintermodus; solche "Zwangslustige" kommen sich wohl sehr originell vor, sind aber eigentlich nur peinlich! Und dazu ständig Musik im DJ-Ötzi-Stil... nix wie wieder weg!


...zwei Kilometer später...



...Bettenburgen für unsere heutige Spaßgesellschaft



Das darf eigentlich nicht wahr sein!

Klasse war natürlich die Abfahrt. Wenn es auch oben wegen vieler Frostaufbrüche oft holperte: Durch die fehlenden Kehren bekam ich ordentlich Tempo drauf und war die gesamte Strecke, die ich mich über 2 Stunden hochgequält hatte, in nichtmal einer halben Stunde hinuntergerauscht.


Blick auf Katharinaberg
 


Der eindrucksvolle Streckenverlauf wird erst bei der Abfahrt sichtbar


Die 20 Kilometer Rückfahrt nach Schlanders waren dann eine angenehme Zugabe, wobei die vielen "Rad-Bars" zum Verweilen lockten. Diesen Verlockungen hielt ich aber stand. Das wohlverdiente Weizen gabs dann zu Hause.
Also: Eine sehr anspruchsvolle Auffahrt mit enormem Höhengewinn. Landschaftlich vor allem im unteren Teil und im Bereich des Vernagt-Stausees spektakulär. Kurzras muss man nicht gesehen haben, aber wenn man schon mal da ist...




Höhenprofil Schnalstal

Höhenprofil der Tour


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  Letztes Update: 02.10.2017
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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